Die besten deutschen Rapperinnen aller Zeiten

Rapperin
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Aggressiv, frauenverachtend, brutal! Ausdrücke die immer wieder in Verbindung gebracht werden mit Deutschrap – eine immer noch von Männern dominierte Musikrichtung. Seit einigen Jahren beginnen jedoch die Frauen mit Hilfe ihrer Worte und Texte zurück zu schlagen und das mehr als erfolgreich, was die Verkaufszahlen und YouTube Aufrufe immer wieder zeigen.

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Die erfolgreichsten Rapperinnen aller Zeiten

Nachfolgend findest du eine Liste der 11 besten besten deutschen Rapperinnen aller Zeiten.

Sabrina Setlur

9EkieraM1, AV0A6496 Sabrina Setlur, Bild von unten und oben beschnitten, CC BY-SA 3.0
Die Tochter indischer Einwanderer war die erste unter den Rapperinnen, die es geschafft hat einen Nummer-eins-Hit in den deutschen Single-Charts zu platzieren. Begonnen hat sie ihre Karriere als Schwester S. mit Thomas Haas und Moses Pelham im „Rödelheim Hartreim Projekt“. Trotz ihrer behüteten Kindheit, fernab von Drogen, Kriminalität und Gewalt, gelang es ihr mühelos die Sprache der Straße zu sprechen.

1995 schaffte sie den großen Durchbruch mit ihrer Single „Ja klar*“. In diesem Jahr sowie 1998 und 2000 erhielt sie den Echo in der Kategorie „Künstlerin National“.

Für Skandale sorgte die Rapperin mit ihrer Kurzzeit-Beziehung zu der deutschen Tennislegende Boris Becker im Jahr 2001. Beruflich gesehen führte dies durchaus zu Erfolg, da die vielen Schlagzeilen ihr nun auch die Aufmerksamkeit der Menschen brachte, die sich zuvor nicht für ihre Musik interessiert hatten.

Bis 2007 verkauft sie mehr als zwei Millionen Alben und gilt damit bis zur heutigen Zeit, was die Verkaufszahlen angeht, als erfolgreichste deutsche Rapperin.

Cora E

Mika Väisänen, Cora E b-girl, CC BY-SA 4.0
Eine weitere Vorreiterin der Deutsch sprechenden Rap-Szene ist die gelernte Krankenschwester Cora E (bürgerlicher Name Sylvia Macco). Zum ersten Mal als Rapperin stand sie 1988 auf der Bühne. Davor beschäftigte sie sich durch Graffiti und Breakdance mit anderen Bereichen der Hip-Hop Kultur.

Auf einer zweijährigen Reise durch die USA lernte sie T La Rock kennen. Er gilt bis heute als Rap-Pionier und ist seit der Geburtsstunde des Hip-Hops in den 1970er Jahren in der Szene anzutreffen. Er prägte maßgeblich die musikalische Entwicklung von Cora E.

Ihre Singles „Könnt ihr mich hör`n“ (1993) und „Nur ein Teil der Kultur“ (1994), die von dem Independent-Label Buback veröffentlicht wurden, führten schließlich zu großem Erfolg.

1995 wechselte die Rapperin zu dem Label Spin/EMI und zwei Jahre darauf erschien ihre autobiographische Single „Schlüsselkind“.

Als Anhängerin der Zulu Nation folgt sie Werten wie Frieden, Gleichheit und Respekt. Diese Gemeinschaft wurde in den 1970er Jahren gegründet und verbietet jegliche Art von Gewalt, Alkohol- sowie Drogenkonsum.

Ihr offizielles Karriereende geschah 2001, jedoch kehrte sie ihrer Musik nicht komplett den Rücken zu. Sie fand ihre Erfüllung in der Kinder- und Jungendarbeit als Leiterin für Rap-Workshops.

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Tic Tac Toe

Axl Jansen, Ttt01, CC BY 3.0
Eine kurze, aber umso spektakulärere Karriere legte die deutsche Band Tic Tac Toe hin.

Das erste Album von Lee, Jazzy und Ricky aus dem Ruhrgebiet erschien 1996 und wurde sagenhafte 900.000 Mal verkauft. Die darauf vorhandenen Hits „Verpiss dich*“ und „Ich find` dich scheiße*“ wurden zu ihren erfolgreichsten Songs. Durch ihr ebenso gelungenes zweites Werk „Klappe Die 2te*“ verkauften die Rapperinnen insgesamt drei Millionen Platten.

Viele Auszeichnungen folgten. Darunter zwei Mal ein Comet für „Newcomer National“ und „Act National“ sowie zwei Echos.

Trotz allem Erfolg war die Karriere der drei Sängerinnen von Skandalen gezeichnet. Lügen über das Alter der Frauen und der Suizid von Lees Ehemann schockierten die Fans. Im Herbst 1997 kam es zur legendären Pressekonferenz, die in einem großen Streit der Rapperinnen endete und zu dem Aus von Tic Tac Toe führte.

Nach mehreren erfolglosen Comebacks, auch in anderer Besetzung, trennte sich die Band 2007 dann endgültig.

Nina MC

Mika Väisänen, Nina Mc, CC BY-SA 4.0
Für ihre Rollen in der Serie „Alarm für Cobra 11“ und als Darstellerin in der Actionkomödie „Abgefahren“ wurde Nina Tenge berühmt.

Als Nina beziehungsweise Nina MC stand sie aber bereits seit ihrem 18. Lebensjahr in der Hamburger Hip-Hop Szene auf der Bühne. Der Durchbruch als Rapperin gelang ihr 2000 durch ihre Mitarbeit an dem Song „Bon Voyage*“ der deutschen Band Deichkind.

Sie wurde durch die Süddeutsche Zeitung zur „besten Rapperin Deutschlands“ gekürt und auch das Goethe-Institut war 2005 dieser Meinung.

Heute ist sie Yogalehrerin in Berlin und lässt musikalisch nur noch gelegentlich von sich hören.

Schwesta Ewa


Wer kennt sie nicht? Die aus Polen stammende deutschsprachige Rapperin ist mehr als bekannt in der Musikszene. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen eigentlich Ewa Malanda heißt, schafft es besonders authentisch Rap zu vermitteln – war sie doch selbst früher eine Prostituierte und von Crack abhängig.

Ihren ersten Erfolg in den Charts feierte sie 2015 mit ihrem Album „Kurwa*„, das auf Platz elf in Deutschland landete und über 20.000 Mal verkauft wurde. Platz acht erreichte ihr zweites Studioalbum „Aywa*“ im Jahr 2018.

Aktuell ist vor allem das laufende Gerichtsverfahren der bis vor kurzem schwangeren Rapperin das vorherrschende Thema in den Medien. Die Anschuldigungen des Menschenhandels und der Zuhälterei wurden zwar abgewiesen, jedoch wurde die deutsche Künstlerin zu zwei Jahren und sechs Monaten wegen 35-facher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und sexueller Verführung verurteilt.

Ihr Baby konnte sie noch in Freiheit bekommen und ist nun stolze Mutter der kleinen Aaliyah Jeyla.

Ace Tee

© Sony Music
Ihr Single „Bist du down?*“ veränderte 2017 das Leben von Ace Tee, die bereits als deutsche Nachfolgerin von TLC gefeiert wird. Ihr Musikvideo erzielte mittlerweile drei Millionen Klicks auf YouTube und wurde ca. 60.000 Mal gelikt. Besonders in den USA können die Menschen nicht genug von der jungen Deutschrap-Künstlerin bekommen.

Ihre Musik klingt besonders, nach 90er Jahre Rap, aber auch ihre ghanaischen Wurzeln sind unverkennbar.

Nach einem Artikel über sie in der Vogue unterzeichnete Ace Tee einen Vertrag mit dem Berliner Plattenlabel Four Music und im Jahr 2017 erschien ihre erste EP „Tee Time*“. Voran getrieben wurde ihre Karriere durch einen Gastauftritt in dem dritten Studioalbum „tru.“ des deutschen Rappers Cro, das bis auf Platz eins der Albumcharts klettern konnte.

Neben ihrer Leidenschaft für Deutschrap designte sie 2017 eine Kollektion für den schwedischen Modehändler H&M.

Eunique Kobra

Sven Volkens, sven.volkens@wikipedia.de, Eunique-Deutschpoeten-2018-7, CC BY-SA 4.0
Die Hamburgerin mit multikulturellem Hintergrund (ihr Vater war US-Amerikaner mit Wurzeln in Trinidad, ihre Mutter ist Ghanesin) begann ihre Rap-Karriere im Jahr 2015.

Ihr erstes Freestyle Rap-Video, das sie auf YouTube hochlud, begeisterte die Massen. Der Rapper Fler teilte es und 40.000 Fans wurden Follower ihrer Facebook Seite.

Trotz fehlendem kriminellen Background und keinerlei Erfahrungen im Rotlichtmilieu kreiert sie mit ihrem ersten Album „Gift*“ im Jahr 2018 (Platz 7 deutsche Albumcharts) einen ganz speziellen Hip-Hop Sound der besonders von ihrem eigenen Fanclub „Kobra Militär“ extrem gefeiert wurde.

Als Schauspielerin bekam sie im selben Jahr eine Rolle neben dem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Kida Khodr Ramadan in der zweiten Staffel der deutschen Dramaserie „4 Blocks“.

Sxtn

Foto: Stefan Brending, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de, 2017 SXTN – by 2eight – DSC7570, CC BY-SA 3.0 DE
Die wohl provokantesten Texte bekommt man von Juju und Nura um die Ohren geschlagen. Die aus Berlin stammenden Rapperinnen provozieren mit ihren Songs mindestens genauso derb wie ihre männlichen Kollegen. Das lässt sich schon an den Titeln ihrer Lieder „Ständer*“, „Er will Sex*“ oder „Die Fotzen sind wieder da*“ unschwer erkennen.

Nach der Gründung von Sxtn (sprich Six-tn) im Jahr 2014 erschien zwei Jahre später die erste EP „Asozialisierungsprogramm*“. Ihre direkte, vulgäre Art gefiel auch dem Deutschrapper Haftbefehl, der die beiden mit auf Festivaltour nahm.

46 Wochen lang konnte sich ihr Album „Leben am Limit*“ 2017 in den Top 100 der deutschen Albumcharts halten und erreichte zeitweise sogar Platz acht.
Der Erfolg der Platte und die ausverkaufte Deutschland-Tournee konnten jedoch nicht die Trennung der beiden Ende 2018 verhindern. Über Instragram gab Juju die Auflösung des Duos bekannt.

Beide Rapperinnen wollen sich nun vermehrt auf ihre Solo-Karrieren konzentrieren.

Fiva

Antje Naumann (AllSystemsRed), 14-08-08 Taubertal Fiva 2, CC BY-SA 3.0
An Vielfältigkeit ist die aus München stammende Künstlerin Fiva (mit bürgerlichem Namen Nina Sonnenberg) kaum zu überbieten.

Nach einem Studium der Soziologie, Sozialpsychologie und Wirtschaftsgeographie gründete sie 1999 das Rap und Spoken Word Projekt fiva&radrum mit dem deutschen Produzenten Sebastian Schwarz alias DJ Radrum.

2001 erschien ihr erstes Album „Spiegelschrift“ bei dem Label Buback aus Hamburg. Vier Jahre später gründete sie ihr eigenes Label Kopfhörer Recordings mit dem sie im Laufe der Jahre fünf weitere Platten aufnahm.

Erfolge feiert sie jedoch nicht nur als Rapperin – ihre Kreativität stellt sie auch bei Poetry-Slam-Meisterschaften unter Beweis, bei denen sie das Publikum durch ihre mitreißende Art und ihre intelligenten Texte in ihren Bann zieht.

Viele werden Fiva auch noch durch den Bundesvision Song Contest kennen, bei dem sie 2012 zusammen mit Rüdiger Linhof und Florian Weber von den Sportfreunden Stiller als „Fiva & Das Phantom Orchester“ für Bayern an den Start ging. Damals sprang jedoch nur ein 14. Platz heraus.

Die Münchnerin war Moderatorin des Zündfunk Magazins des Radiosender Bayern 2 und arbeitete für FM4/ORF. Ihre Podcast-Sendungen „Fiva`s Reim auf die Welt“ und „Fiva-das Leben ist eine Scheibe“ erschienen zweiwöchig bei on3radio.

Nachdem sie mehrmals für den Grimme-Preis nominiert wurde, gewann sie 2018 letztendlich den bayerischen Kulturpreis für Literatur und Musik.

Namika

(c) Foto: David Daub / Sony Music
Die bekannteste unter den Rapperinnen ist derzeit die marokkanisch-deutsche Sängerin Namika. Von der Allgemeinheit wird die aus Frankfurt am Main stammende Künstlerin eher mit der Popkultur in Verbindung gebracht, nachdem ihre melodische Single „Lieblingsmensch*“, eine Auskopplung ihres ersten Albums, bis auf Platz 1 der deutschen Single-Charts geschossen ist.

Als Hän Violett erfand sie jedoch bereits in ihrer Schulzeit den Flowgesang – einen Rap, den man auch singen kann. Einen Musikvertrag bei einem Tochterlabel von Sony Music bekam sie daraufhin durch ihr selbstgestaltetes Mixtape „Flow zum Gesang“.

Ihr Stil als deutsche Rapperin änderte sich daraufhin und sie bekam ein mehr mädchenhaftes und nach Mainstream aussehendes Erscheinungsbild.

2015 nahm sie am Bundesvision Song Contest für das Bundesland Hessen teil und erzielte mit ihrem Lied „Hellwach*“ den siebten Platz.

Ein Jahr später wurde sie drei Mal für den Echo nominiert als „Newcomer National“, „Radio-Echo“ und „Künstlerin Rock/Pop National“. Eine weitere Nominierung erhält sie für die 1 Live Krone in der Kategorie „Beste Künstlerin“.

Gewinnen konnte sie folgende Auszeichnungen:
2015: Radio Regenbogen (Newcomer National)
2016: melty Future Preis (Cool is everywhere – National)
2017: European Border Breakers Award (Künstler/Künstlerin Deutschland)

Für einen Skandal sorgte Namika mit ihrer Single „Hände*“, die sie zusammen mit Rapper Farid Bang im Duett gesungen hat. Dieser erregte mit seinem Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ für Aufsehen, weil manche seine Lieder antisemitistische Äußerungen beinhalteten. Als er im Zuge dessen dennoch für dieses Werk einen Echo verliehen bekam, gaben viele andere Künstler ihren Preis offiziell zurück.

Sookee

Henning Schlottmann (User:H-stt), Sookee 5482, CC BY-SA 4.0
Sie ist erfolgreich, meinungsstark und deutsch. Sookee kämpft gegen Rassismus und den immer noch weit verbreiteten Sexismus im Deutschrap. Obwohl sich in der Gesellschaft das Frauenbild weiter positiv entwickelt, ist im Hip-Hop Gewalt und Diskriminierung gegen das vermeintlich schwache Geschlecht immer noch mehr als üblich.

Aus der Masse der diskriminierenden Künstler stach sie bereits 2006 mit ihrem ersten Rap-Album „Kopf Herz Arsch“ heraus. 2017 erreichte sie mit Rang 89 ihre beste Platzierung in den deutschen Album-Charts.

Schon früh nutze sie ihre Texte für ihr soziales Engagement und warb mit „Dein Körper, dein Haus“ im Zuge einer Aufklärungsarbeit gegen Gebärmutterhalskrebs für ein besseres Körperbild für Frauen.

Eine öffentliche Debatte über Sexismus startete sie mit der Kampagne „#ausnahmslos gegen sexuelle Gewalt“, die sie mit anderen Feministinnen nach der Silvesternacht 2015 in Köln gegründet hatte, bei der zahlreiche Übergriffe auf Frauen stattgefunden haben.

Die deutsche Rapperin wurde zur Botschafterin im Themenjahr gegen Geschlechtsdiskriminierung von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ernannt und erhielt 2018 den Louise-Otto-Peters-Preis, der ihr Engagement für die Gleichstellung von Frauen und Männern würdigte.

Deutschrap entfernt sich immer mehr vom Macho-/ Sexismus-Image der letzten Jahrzehnte. Hip-Hop wird feministisch, kämpft gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Erfolgreiche Rapperinnen nutzen ihre Popularität, um ihre Botschaft zu verbreiten und die Welt zu bewegen.

Dennoch werden in Zukunft noch viele starke Frauen in der Musikszene gebraucht werden, um den Fortschritt gegen Sexismus weiter vorantreiben zu können.

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