Die besten Deutschrap-Songs aller Zeiten

Rapper

Deutschrap ist noch relativ jung in der deutschsprachigen Musikgeschichte. In den 1990er Jahren brachte die Hip-Hop Band „Die Fantastischen Vier“ die ersten kommerziell erfolgreichen Rap-Songs in die Charts. Die Songs bestanden zum großen Teil aus „Spaßrap“. In den Folgejahren gelang es dem deutschsprachigen Rap den Mainstream zu erreichen.

Ab 2001 wurde Battle- und Gangsta-Rap besonders bei Jugendlichen extrem beliebt. In dessen Folge die Rapper Kool Savas, Sido, Bushido, Azad, Samy Deluxe und Fler zu den größten Rappern in Deutschland aufstiegen.

Mittlerweile bietet Deutschrap dem Publikum neben Battle- und Gangsta-Rap und Spaßrap auch Conscious Rap (politisch oder sozialkritisch motiviert) oder Pop-Rap an. So haben etwa Marteria, Cro, Prinz Pi oder Casper abseits der Gangsta-Rap-Szene ihren Platz gefunden und tauchen regelmäßig in den Single-Charts auf.

Unsere Playlist der besten deutschen Rap-Songs aller Zeiten beinhaltet eine ausgewogene Mischung, die die besten Lieder aus den unterschiedlichsten Subgenre zusammenfasst. Freut euch auf die besten Deutschrap-Songs von Kollegah, Alligatoah, Genetikk, K.I.Z. und vielen weiteren Rap-Stars.

(Am Ende des Artikels haben wir für dich eine Spotify-Playlist mit allen hier aufgeführten Songs erstellt.)

1. „Die da?!“ von den Fantastischen 4 (1992)

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Was wäre die Rap-Szene ohne die Fantas? Mit ihrem ersten Hit „Die da?!“ nahm Anfang der 90er Jahre alles seinen Lauf in der Rap- und Hip-Hop-Szene. Sie waren sicherlich nicht die ersten, die Rap und Hip Hop machten, aber sie waren die ersten mit Charterfolg in dem Genre, das bis dato noch Außenseitercharakter hatte. Plötzlich war da deutscher Rap! Was ne Musik! Die Fantas landeten als Newcomer mit ihrem neuartigen Song auf Platz 2 der deutschen Single-Charts.

Knackige Sprüche in spritzigen Versen verpackt, zwei Rapper, die sich abwechselnd von ihrer potentiellen Traumfrau einen vorreimen und eine überraschende Pointe in der letzten Strophe – das war das Erfolgsrezept von „Die da?!“. Bunt, komisch und anders als alles, was der Musik-Markt bis dahin zu bieten hatte. Die Leute liebten es. Die Single wurde mit Gold ausgezeichnet. Seitdem ging es steil bergauf für die 4 Jungs aus Stuttgart. Und kein Ende ist in Sicht, die Fantas werden nicht müde und feierten auch mit Songs wie „MfG“ und „Sie ist weg“ riesige Erfolge und setzten sich zum 25-jährigen Bestehen mit „25″ ein eigenes musikalisches Denkmal.

2. „Was du Liebe nennst” von Bausa (2017)

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Der Song des Rappers Bausa brach diverse Rekorde und trumpft mit mehrfachen Platin-Auszeichnungen und über einer Million verkaufter Einheiten an der Spitze der erfolgreichsten deutschen Rap-Songs aller Zeiten. Von Platz 51 schoss er innerhalb von nur einer Woche auf Platz 1 und konnte sich dort neun Wochen halten. Kein anderer deutscher Rap- oder Hip Hop-Song schaffte das bisher. Auch in anderen deutschsprachigen Ländern regnete es mehrfache Platin-Schallplatten vom Rap-Himmel. Gigantisch, was Bausa hier geschafft hat. Ganz zu Recht.

Der Song trifft mitten in die Herzen kaputter Seelen. Mit seinen unaufdringlichen Klängen und seiner les Affaires-Stimme erzählt Bausa von käuflicher Fake-Liebe, von starken Drinks und anderen Substanzen und einem großen Bedürfnis, alles Schmerzliche für den Moment zu betäuben. Weil es so berauschend ist. Weil es so selbstzerstörerisch ist. Und eben weil! Das ist mutig im brutalen Rap-Business. Es geht mal nicht um Nutten, Koks und fette Karren. Kein plumpes Dissen, keine harten Wortgefechte. Stattdessen seichte Töne mit chilligen Beats. Hip-Hop als Schlager-Pop verkleidet. Oder umgekehrt. Wie auch immer, auf jeden Fall ein musikalisches Juwel mit dem Prädikat Diamant. Da kommt kein noch so böser Gangster-Rapper ran.

3. „Ohne mein Team“ von Bonez MC & RAF Camora feat. MAXWELL (2016)

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Nach etlichen Gangster-Rappern, die auf Gangster machten, aber nie welche waren, sind die Rapper aus der inzwischen berüchtigten Hamburger Hip Hop-Formation eine wohltuende Antwort auf die Frage, ob Gangster-Rap überhaupt je authentisch war. Bonez MC und Co. beweisen zum Unmut vieler Staatsbeamter, dass Rapper nicht nur Sprücheklopfer sind und stürmen mit einem Hit nach dem nächsten die deutschen Charts.

Mit diesem Track gelang es Bonez MC und dem Österreicher RAF Camora tatsächlich, mit einer Diamanten-Schallplatte ausgezeichnet zu werden. Mit über einer Million verkaufter Tonträger zählt der Song damit zu den meistverkauften Singles in Deutschland. Der kommerzielle Erfolg mit „Palmen aus Plastik“ wurde damit nochmal übertroffen.

Und worum geht es eigentlich in dem Song? Wie immer eigentlich um nichts anderes als Kokain, Marihuana, Sex, Mercedes und die typischen Lobeshymnen auf Hamburg und Wien. Das Leben ist eine einzige Party im Rausch. Prollig, dekadent und gewalttätig. Illegal? Egal. Wortgewandtheit ist fehl am Platz, aber es interessiert auch keinen. Denn die rauchig-dumpfe Stimme von Bonez MC ist auch dem sinnfreiesten Vers noch überlegen. Mittlerweile zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Rap-Künstlern. Und man nimmt es ihm einfach ab, die Nummer mit der Straße und dem Gangster.

4. „Ich find‘ dich scheiße“ von Tic Tac Toe (1995)

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Laut, frech, emanzipiert. Die damals berühmteste Mädchen-Band Deutschlands rappte sich mit zynischer Fäkalsprache auf Platz 3 der deutschen Single-Charts. Eine echte Sensation, denn dass Frauen sich so etwas trauen, war neu und ungewöhnlich. Dafür gab es Platin für 500.000 verkaufte Tonträger des Hits. Was folgte, waren skandalträchtige Schlammschlachten und etliche Leichen, die aus dunklen Kellern ausgegraben wurden. Mit Folge-Hits wie „Warum?“ und „Verpiss dich“ konnten sie zwar mit ernsteren Texten überzeugen, allerdings war für die Mädchen-Formation nach zwei erfolgreichen Alben schon Schluss. Legendär bleibt ihr letzter Live-Auftritt, in dem sie zum Entsetzen ihrer Fans ihre überraschende Trennung inszenierten. Oder auch nicht. PR-Strategie hin oder her, Tic Tac Toe bleiben ein unvergessener Bestandteil der Deutsch-Rap-Musikgeschichte.

Der Song, der sie über Nacht berühmt machte, ist eine flapsige Abrechnung mit selbstverliebten Typen, oberflächlichen Machos und einfältigen Tussis. Die einfache Sprache erreichte sofort das begeisterte Publikum. Die Botschaft war unmissverständlich. Loses Mundwerk und sexy Bewegungen trafen aufeinander und ergaben Mädchen-Power ohne Kompromisse. Nie haben Frauen vorher so offen ins Mikro gebrüllt, wenn sie jemanden scheiße finden.

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5. „Du bist Boss“ von Kollegah (2014)

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King, Boss oder Rekordbrecher. Kollegah steht für unvergleichlichen Erfolg und ist längst eine Marke im Deutsch-Rap. Sein Song „Du bist Boss“ steht sinnbildlich für alles, was er geschaffen hat: Das eigene Label „Alpha Music Empire“, die eigene Klamottenmarke „DEUS Maximus“ und zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Dicht gefolgt von einem Ruf, der seinesgleichen sucht. Beinahe konkurrenzlos lässt er ein Meer von Rappern und Hip Hop-Musikern hinter sich. Kollegah ist der Meister des gereimten Wortes. Doch, ist er. Keiner kann Worte so klug, so zungenfertig und so provokant in Reime verpacken. Seine wahren Waffen sind Worte, die letztlich sogar zum Ende der populären Echo-Verleihung geführt haben und die er bewusst und treffsicher einzusetzen vermag.

Jeder Vers ein Treffer? Ja!

Die Beats von „Du bist Boss“ sind nicht außergewöhnlich, der Text handelt vorrangig um seine Wenigkeit – Kolle himself. Aber, und deswegen verdient es der Track, erwähnt zu werden, seine Verse setzen Statements ohne Platz für Gegenargumente zu lassen. Kollegah provoziert seine Kritiker und puscht seine Anhängerschaft. Mit seinen rasend schnellen Diss-Raps stellt er sein ganzes Können unter Beweis. Der Song erreichte Platz 36 in den Charts, für Kolle-Fans hat er längst Kultstatus erreicht. Mit Farid Bang und dem Song „Sturmmaske auf“ folgte dann eine wochenlange Platzierung ganz oben in den Charts. Seine Videos strotzen nur so von Dekadenz und prolligem Auftreten. Fragwürdig vielleicht, diese JBG-Manier. Aber auch so unglaublich gut. Kolle ist Boss, auch ohne Artikel.

6. „So wie du bist“ von MoTrip feat. Lary (2015)

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Mit einer Platin-Auszeichnung und dem 3. Platz in den deutschen Single-Charts gehört dieser Deutschrap-Song zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Die beiden Stimmen des Rappers MoTrip und der Sängerin Lary harmonieren perfekt miteinander, sie singen die Hookline gemeinsam.

Und wieder mal beweist ein Rapper, dass auch Romantik in dem sonst so gewaltdurchdrungenen Genre seine Daseinsberechtigung hat. Die Story ist schnell erzählt: Im Mittelpunkt steht die Liebe zwischen zwei Menschen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten kommen. Die Botschaft: Liebe überwindet jegliche Grenzen. Eigentlich fast ein bisschen schnulzig das Ganze. Aber künstlerisch eben gut gemacht. Denn zwischen den Zeilen finden sich auch tiefgründige Thesen und feine Wahrheiten, die man dem Sänger durchaus abnimmt. Manchmal kommen die besten Songs auf leisen Sohlen daher. Dieser gehört definitiv dazu.

7. „Au revoir“ von Mark Forster feat. Sido (2014)

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Zweimal Platin gab es für den Track, der sich drei Wochen auf Platz 2 der deutschen Single-Charts hielt und für ganze 65 Wochen in den Charts vertreten war. Hier treffen gleich zwei musikalische Könner aufeinander. Der deutsche Popsänger Forster und Sido haben mit ihrem Song gezeigt, dass Pop und Hip-Hop gut kombinierbar sind. Die Künstler wurden mit Doppelplatin belohnt. Der Song wurde kurz nach seiner Erscheinung schnell zum deutschen Sommerhit des Jahres. Damit beweist auch der ehemalige Bad Boy-Rapper Sido, der einst noch Loblieder auf seinen Block herunterrappte und mit Maske, Aggro Berlin und dem legendären Arschficksong Berühmtheit erlangte, dass Rap immer noch nicht zu Ende erzählt ist und Entwicklungspotential in der Musik hat. Seine unverwechselbare näselnde Stimme mit dem hohen Wiedererkennungswert passt ideal zu den klaren reinen Klängen von Forster. Ein Dream-Team quasi, was sich da gefunden und die Musikwelt um einen der besten Rap-Hits aller Zeiten bereichert hat. Es geht um Abschied und Neuanfang, um Vertrauen zu sich selbst und darum, mutig zu sein und alten Ballast zurück zu lassen. Die beiden Künstler bringen ihre Message in einem lässigen Flow rüber. Hört sich einfach gut an.

8. „Du liebst mich nicht“ von Sabrina Setlur (1997)

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Mit Sabrina Setlur kam endlich mehr Frauenpower in die Rap-Szene. Sie ist und bleibt die erfolgreichste Rap-Künstlerin im deutschsprachigen Raum. Mit ihrem Nummer-eins-Hit verarbeitete sie Liebeskummer mal anders. Dafür gab es Gold und weitere Preise. Neben ein paar anderen renommierten Künstlerinnen der Rap-Szene wie der provokativen Lady Bitch Ray ist Sabrina Setlur eine von wenigen rappenden Frauen, die sich in dem männerdominierenden Genre durchsetzen konnten.

Die Schwester S. aus Frankfurt am Main startete mit ihrem Förderer Moses Pelham und dem „Ich möchte‘ dein Badewasser saufen-Song“ durch. Ihr bekanntester Track ist eine Abrechnung gegen egoistische Ex-Macker und eine verbale Attacke gegen schlechte ungesunde Beziehungen, in denen die Frau stets die Rolle der unterwürfigen, ja sagenden und verständnisvollen Partnerin übernimmt. Eine Menge aufgestauter Wut und Zorn sowie Enttäuschung und Verletzlichkeit schleudert Sabrina in einem erstaunlich schnellen Tempo durchs Mikro. So gut wie sie kann es keine. Das ist S-Klasse pur! Ein Hammer-Song, der mit ganz viel Emotion und sauber gerappten Versen in die Rap-Musik-Geschichte eingeht.

9. „Hamma“ von Culcha Candela (2007)

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Für den wahrhaftigen Hammer-Song gab es eine Platin-Schallplatte und 6 Wochen Platz 1 in den deutschen Single-Charts. Der Song ist so beliebt wie kaum ein anderer Deutschrap-Song. Weil er eine Hommage an alle Frauen ist. Ein Typ rappt darüber, wie ihm eine Frau mit allem, was sie tut und wie sie es tut, den Atem raubt. Frauen wollen geliebt und begehrt werden, die Männer sollen ihnen zu Füßen liegen. Year! Das transportiert die sechsköpfige multikulti Rap-Truppe überzeugend in ihren Versen. Kein Wunder, dass sich der Track mit seinen lässig-rhythmischen Grooves sofort zum Sommerhit des Jahres 2007 katapultierte. Ein Song für die Ewigkeit wurde geboren, der der Band den Durchbruch brachte. Für die Bandmitglieder selbst war der Erfolg Anlass genug, einen sogenannten „Culcha-Sound“ zu etablieren. Viele musikalische und kulturelle Einflüsse sollen zusammenfließen und gute Laune-Songs hervorbringen. Na dann.

10. „Traum“ von Cro (2014)

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Dieser Rapsong von Cro landete im deutschsprachigen Raum ganz oben in den Charts, in Deutschland hielt er sich vier Wochen auf Platz eins. Cro erhielt zweimal Platin für mehr als 300.000 verkaufte Tonträger in Deutschland und nochmal jeweils Platin in Österreich und der Schweiz. Der Maskenmann mit der Pandamaska zählt inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Rappern. Cro hat sich damit zwischen den Gangstern und großen Nummern im Rap-Business etabliert und ist längst mehr als nur ein seichter Mädchen-Rapper. Er beweist inzwischen sein Allroundtalent als Designer, Künstler und Regisseur.

Sein Song ist eine locker erzählte Schwärmerei über eine Traumfrau, deren Existenz bisher nur im Traum besteht. Er bereitet schon mal alles vor und kann es kaum erwarten, mit ihr zu verreisen. Das funktioniert: Ein Rapper, der sein Gesicht verbirgt, und einsam auf seine großes Liebe wartet. Herzschmerz klingt aus der jugendlichen Stimme von Cro. Die weibliche Fangemeinde leidet mit. Und belohnt wird Cro bis zur Erfüllung seines Wunsches mit vielen verkauften Platten.

11. „Neymar“ von Captial Bra (2018)

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Der Berliner Bruder mit russischen Wurzeln hat wie kein anderer die deutschen Charts gestürmt. Mit einschlägigen Jugendstrafen in der Tasche und kriminellem Background erkämpfte er sich mit seinem Talent und energischem Willen in den örtlichen Rap am Mittwoch-Battles Anerkennung und Ruhm in der Szene. Seine Songs sind geprägt vom Stil des Straßenraps. Der Track „Neymar“ ist nur einer von bisher 9 Nummer-eins-Hits. Drei Wochen Platz 1 für einen Song, der nicht wirklich unter die Haut geht. Aber irgendwie den Nerv der Jugend trifft. Und das ist das Geheimnis von Bras Erfolg. Es geht um protzige Autos, um Drogen und einer durchaus glaubwürdigen Gleichgültigkeit gegenüber dem Gesetz. Gespickt werden die Verse mit ostslawischen Begriffen und einem ganz speziellen aggressiven Unterton.

12. „Leider geil“ von Deichkind (2012)

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Leider geil ist, wie soll es anders sein, leider geil. So geil, dass es einmal Gold gab für die Hamburger Hip Hop-Electropunker. Und weil es so geil ist, gab es auch in Österreich Gold für den Rapsong. In den deutschen Single-Charts erreichte er Platz 6. Und inzwischen hat es der Titel zum Geflügelten Wort geschafft. Im Song werden zeilenweise Dinge aufgezählt, die man eigentlich nicht tun sollte und die jeweils, scheinbar recht sinnfrei, mit „leider geil“ kommentiert werden. Im Grunde spiegeln aber alle Aussagen zusammen den Zeitgeist der Gesellschaft wieder. Wie tickt unsere Gesellschaft, wie funktionieren wir und weshalb ist alles angeblich Schlechte doch so erquickend? Der Grundtenor des Liedes ist: Es ist geil, ein Arschloch zu sein. Hatten wir alles schon mal, aber hier eben künstlerisch einfach besser umgesetzt.

13. „Vendetta“ von Bushido feat. Chakuza feat. Eko Fresh (2006)

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Sonny Black hat mit Aggro Berlin und seinem späteren Label Ersguterjunge wie kaum sonst jemand die Musik der Rap-Szene in Deutschland geformt und vorangebracht. Viele No-Names haben von seinen Erfolgen profitieren können. Sein Gangster-Image, das ihm einst zu Ruhm und Ehre verholfen hat, holt ihn jetzt seit einiger Zeit ein. Seine Tracks allerdings bleiben davon unberührt. Nach wie vor finden sie Gehör und erfreuen sich großer Popularität.

Bushido gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Rapper. Mit seinem 5. Soloalbum „7“ belegte er zwei Wochen die Spitze der Charts. Zwölf seiner Alben erhielten Auszeichnungen und damit steht er ganz oben in der Rangliste der Rapper mit den meistverkauften deutschen Rap-Alben. Bushido steht für Erfolg. Seine Single „Vendetta“ verkörpert alles, was sein Erfolgsrezept ausmacht und wofür ihn seine Fans nach wie vor lieben. Es geht um maßloses Übertreiben, um Protzerei mit dem Label und seinen Erfolgen, um Berlin und seinen unerreichbaren Status in der Szene und allem voran geht es darum, seine Konkurrenz unentwegt verbal platt zu machen. Dazu bedient er sich meist eines simplen aber fruchtbaren Mittels: Seine Kollegen, Rap-Freunde oder Blutsbrüdaz, die ihn tatkräftig am Mic unterstützen. Allen voran Chakuza, der eher zurückhaltende Österreicher, der mit seinen rauen tiefen Vocals jedem gerappten Wort eine gewisse Echtheit verleiht. Immerhin 9 Wochen hielt sich der Song in den deutschen Single-Charts.

14. „Emanuela“ von Fettes Brot (2005)

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Ja klar, diesen Song kennt jeder und wahrscheinlich hat ihn jeder irgendwo und irgendwann mal mitgesungen. Als Höchstplatzierung in den deutschen Charts gab es Platz 3. In Österreich schafften es die Jungs aus dem Norden sogar auf Platz eins. Zweimal Gold gab es dafür und Fettes Brot übertrafen sich damit selbst. Die Single zählt zu den meistverkauften deutschen Rap-Songs und brach einige Rekorde. Damit reihen sich Fettes Brot in die Liga der allerbesten ein.

Was den Song so besonders macht, sind sein sinnfreier Text und sein gängiger Rhythmus, den die Spaßtruppe der breiten Masse zugänglich macht. Manche lieben den Song, andere hassen ihn. Aber alle kennen ihn. Mitsingen geht immer, denn es geht ja nur um eine gewisse Emanuela, die jeder haben will, aber keiner bekommt. Inzwischen trägt der Name längst etwas lustig Kultiges an sich. Mit dem Lied traten die Hip Hop-Musiker beim Bundesvision Song Contest für Schleswig-Holstein an und landeten sogar auf Platz zwei.

15. „Die Eine 2005“ von Die Firma (2005)

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Dieses musikalische Liebesgeständnis brachte der Kölner Hip-Hop-Gruppe eine Goldene und eine Platin Schallplatte ein. Das absolut Besondere an dem Song ist der darin verpackte Heiratsantrag. Der Titel hatte eine Lebensdauer von mehr als 30 Wochen in den deutschen Single-Charts. Zwei Wochen lang konnte er sogar die Stellung auf Platz 2 halten. Der Song ist mehr als nur ein paar schwulstig zusammengereimte Liebesverse. Er ist eine Hommage an die eine Frau fürs Leben. Und weil er trotz der leichten Anflüge von kitschiger Romantik so sympathisch und echt ist, wünschten sich Fans der Band eine Fortsetzung der Geschichte aus der ursprünglichen Fassung von „Die Eine“. Die Band zögerte nicht lang und der Rapper Tatwaffe setzte mit seinem Schlusssatz in der letzten Strophe noch einen oben drauf. Hiermit halt‘ ich um deine Hand an, Baby.

Der Legende nach hörte seine Frau den für sie neu aufgesetzten Song zum ersten Mal im Flugzeug. Eine Liebesgeschichte mit Happy End, wie sie schöner nicht hätte gerappt werden können.

16. „Das Urteil“ von Kool Savas (2005)

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Hier kommt der Meister des Raps mit seinem meisterlichen Diss-Track. Mit dem Song setzte der damals (und für viele auch noch heute) unbestrittene King of Rap einen musikalischen Meilenstein in der Geschichte des Battelraps. Für das Intro beauftragte er keinen geringeren als 50 Cent. Was dann folgte, war eine Wort für Wort durchdachte und treffsichere gerappte Abrechnung mit seinem ehemaligen Zögling Eko Fresh. Eko hatte sich vorher getraut, in seinem Track „Die Abrechnung“ gegen alle Großen aus der Szene auszuteilen, inklusive und insbesondere gegen den King. Gegen die Rap-Kunst von Kool Savas oder John Bello oder Essah kam Eko jedoch nicht an und verlor nicht nur dieses Battle, sondern auch seine Anerkennung im Rap-Business. Der Diss-Song war zukunftsprägend für alle weiteren Battles, die danach kamen. Er war so gefragt, dass beim Gratis-Download damals der Server zusammenbrach.

17. „A-N-N-A“ von Freundeskreis (1996)

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Die goldene Schallplatte gab es für die deutsche Single der Stuttgarter Hip Hop-Musiker, die es mit ihrem Hit auf Platz 6 der deutschen Single-Charts schafften. Die Band ist vor allem wegen ihrer politischen Ambitionen bekannt. Die Intention dahinter: Die Welt ein bisschen besser machen. Sympathisch, menschlich, emotional. In ihrem großen Hit erzählen sie in geschmeidigen wohlklingenden Versen von der Zufallsbegegnung mit der faszinierenden Anna im Regen. Liebe auf den ersten Blick und verpasste Gelegenheiten. Eine gewisse Melancholie plätschert leicht wie zarte Regentropfen durch die Strophen. Mit ganz viel Gefühl in seiner klaren Stimme lässt der Sänger Max Herre die empfänglichen Ohren seiner Fans dahin schmelzen. So geht Rap eben auch. A-N-N-A, von hinten wie von vorne, einer der besten deutschen Rap-Songs aller Zeiten. Schade um die Band, die sich 2007 auflöste.

18. „Weck mich auf“ von Samy Deluxe (2001)

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Dieser Track wurde mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet und gilt als der kommerziell erfolgreichste Song von Deluxe. Wegen seines sozialkritischen Plots trifft er auch heute noch den Zeitgeist der Gesellschaft.

Der Künstler zeigt mit seiner Kritik gegen das politische System und seiner Anklage gegen ignorante Staatsmänner, dass Rap auch ernst sein und eine Message fern ab von selbstdarstellenden Reimen und prolligen Battles transportieren kann. So rappt er in der für ihn so typischen und unnachahmlichen Geschwindigkeit die knallharte Realität vor: Rechtsextremismus, drogenabhängige Kids, korrupte Politiker und Pädophile, die ganze hässliche Palette menschlicher Abgründe. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf und was bleibt, ist die Angst vor dem, was da kommen mag. Der Song wirkt wie ein Blick in den Spiegel der damaligen wie auch heutigen Generation.

Der Titel schaffte es trotz seiner nicht einfach verdaulichen Kost auf Platz 4 der Single-Charts. Und es geht weiter. Xavier Naidoo hat den Song 2016 gecovert und erneut nahm er einen Platz in den Charts ein.

19. „Stadtaffe“ von Peter Fox (2008)

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Der Frontman von Seeed feiert seine Stadt Berlin und geht als Solo-Künstler mit diesem Song ganz eigene Wege. Die ihn durch die Hauptstadt voller Affen führen. Toller Text, ohne Frage. Metaphorische Höchstleistungen gepaart mit gekonnt eingesetzten Streichmusikinstrumenten, die dem Song ordentlich Würze verleihen. Dazu ein paar tragende, gemütliche und quietschende Beats. Berlin eben. Der Song haut irgendwie rein, weil Fox die Zeilen in Weltklasse-Manier durchrappt. Auf Platz 4 schaffte es Fox mit seinem Stadtaffen und konnte ihn insgesamt 51 Wochen in den deutschen Single-Charts halten. Das Album mit dem gleichnamigen Titel schaffte er es sogar bis ganz nach oben.

20. „Das geht ab“ von Die Atzen (2007)

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Was wäre eine Party denn ohne die Atzen und ihren Klassiker? Für den mittlerweile zum Kult avancierten Partykracher erhielten die Hip Hop-Künstler Frauenarzt und Manny Marc eine Platin-Auszeichnung. Der Song schaffte es auf Platz 8 der deutschen Single-Charts und hielt sich sagenhafte 70 Wochen in den Charts. Er erreichte einen so enormen Berühmtheitsgrad, dass er vom Fußballclub Hertha BSC sogar zum Vereinssong umgeschrieben wurde. Inzwischen gibt es mehrere unterschiedliche Versionen des Songs.

Auch in Österreich und der Schweiz waren die Atzen damit sehr erfolgreich. Das Erfolgsrezept ist einfach: Eingängige Techno-Beats und eine knackige Hookline, dazu ein paar feierfreudige Interpreten, die das Feiern zelebrieren und Verse, die selbst total betrunkene Fans noch mitgrölen können. Es geht um Party, um Frauen, und um noch mehr Party. Der Song verbreitet einfach gute Laune und darf auf keiner richtigen Feier mehr fehlen. Atzenmusik vom Feinsten.

Die Plätze 21-107 der besten Deutschrap-Songs aller Zeiten:

Jedes Lied ist über den Titel mit dem dazugehörigen Musikvideo verlinkt.

Nr.Song:Interpret:Anhören:
21.MondfinsternisKollegaha
22.AstronautSido feat. Andreas Bourania
23.Willst duAlligatoaha
24.Mein BlockSido---
25.Immer wenn ich rhymeKool Savasa
26.BossauraKollegaha
27.King Of RapKool Savasa
28.AnhörungKC Rebella
29.Liebs oder lass esGenetikka
30.QuotentürkeEko Fresha
31.GlückPrinz Pia
32.Butterfly Effect
Bushidoa
33.Einer dieser SteineSidoa
34.Panamera FlowBushido feat. Shindya
35.Rhythmus meines Lebens
Kool Savasa
36.30-11-80Sidoa
37.AKs im WandschrankKollegaha
38.LiebeSidoa
39.D.N.A.Genetikka
40.Ein Affe und ein PferdK.I.Z.a
41.KingKollegaha
42.Fata MorganaKC Rebell---
43.Interpol.comXatara
44.Das geht ab!Die Atzena
45.MatrixKool Savasa
46.Fick ihn dochAlligatoaha
47.Hurra die Welt geht unterK.I.Z.a
48.Yes SirGenetikka
49.Märtyrer
Kool Savasa
50.Poesie AlbumSamy Deluxea
51.Für immer jungBushido feat. Karel Gotta
52.Kompass ohne NordenPrinz Pia
53.AlphaKollegaha
54.Bist du realKC Rebella
55.Ich bin Adolf HitlerK.I.Z.a
56.Im AscheregenCaspera
57.WirK.I.Z.a
58.Bilder Im KopfSidoa
59.Ich rolle mit meim Besten (Babos Remix) [feat. Marteria]
Haftbefehla
60.Boom Boom BoomK.I.Z.a
61.Irgendwie, irgendwo, irgendwannJan Delay feat. Denyoa
62.NuttöööSSIOa
63.Bitte Spitte 5000Farid Banga
64.Immer noch hierSummer Cema
65.Reich & SchönFarda
66.Kids (2 Finger an den Kopf)Marteriaa
67.DuCroa
68.Tempelhofer JungeBushidoa
69.Feder Im WindMoTripa
70.Und dann kam EssahKool Savasa
71.Trauerfeier LiedAlligatoaha
72.LutschFarid Banga
73.Theorie und PraxisBushido feat. Jokaa
74.JFKShindya
75.MfG – Mit freundlichen GrüßenDie Fantastischen Viera
76.LauraPrinz Pia
77.SpringfieldShindya
78.WhateverCroa
79.Lux LisbonCaspera
80.ReflektionenAzad---
81.John GottiKollegaha
82.EasyCroa
83.Braungebrannt & Hakennase
Farda
84.Urlaub Fürs GehirnK.I.Za
85.Kanax in ParisKC Rebella
86.SterneShindya
87.Tanz aus der Reihe! (feat. Weekend)SDPa
88.KobrakopfKollegaha
89.Lila WolkenMarteria---
90.Ganz untenSidoa
91.RemmidemmiDeichkinda
92.HolySeroa
93.IkarusKontra Ka
94.Ahnma [feat. Gzuz]Beginnera
95.Einmal um die WeltCroa
96.Bleib in der SchuleTrailerparka
97.A la MuerteGenetikka
98.Save Money257ersa
99.AuraKool Savasa
100.Eure KinderChakuza feat. Bushidoa
101.Hipster HassFlera
102.Liebes LiedAbsolute Beginnera
103.JeinFettes Brota
104.AschenflugAdel Tawila
105.Lass die Affen aus'm Zoo (Babos Remix) [feat. K.I.Z]
Haftbefehla
106.HalbmondKurdoa
107.WienChakuzaa

Deutschrap-Songs Spotify-Playlist:

Deutscher Rap lebt. Immer noch. Und vielfältiger als je zuvor. Gangster-Rap, Reggae-Rap, Hip Hop-Rap, Pop-Rap – alles funktioniert, wie die ausgewählten Beispielsongs zeigen. Sie stehen repräsentativ für den jahrzehntelangen Erfolg eines Musik-Genres, das sich immer wieder neu erfindet. Den zahlreichen Künstlern sei Dank.

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