Du hasst deine Stimme? Anleitung für eine schöne Stimme

Frau singt, Mann ist genervt
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Vermutlich bist du wie die meisten Menschen mehr oder weniger zufrieden mit deiner Stimme. Zumindest bis zu dem Tag, an dem du sie zum ersten Mal auf Voice Recorder hörst. Du fragst dich: Diese flache, piepsige oder brummende Stimme soll mir gehören? Bisher hast du dich selbst beim Sprechen oder Singen immer völlig anders wahrgenommen. Die Erklärung ist relativ einfach: Deine äußere Stimme klingt anders als deine innere Stimme. Nicht jeder ist von Natur aus mit einer klangvollen Stimme gesegnet. Weder beim Sprechen noch beim Singen. Die gute Nachricht ist, du kannst sie verändern.

Doch woran liegt es, dass andere Menschen dich anders hören als du dich selbst hörst?

Beim Sprechen erzeugen unsere Stimmbänder Schallwellen, deren Vibrationen bei anderen Menschen im Gehirn in Klang umgewandelt werden. Wir selbst hören zusätzlich zu den Schallwellen, die aus dem Mund gelangen, noch die innere Vibration in unserem Schädel. Das lässt uns unsere Stimme tiefer und klangvoller wahrnehmen. Der Londoner Kehlkopf-Spezialist Martin Birchall erklärt das folgendermaßen: „Wenn wir reden, ist das so, als würden alle anderen den Klang durch Lautsprecher hören, wir hören ihn aber durch einen Höhlenkomplex in unserem Kopf.“ Mit anderen Worten, deine Stimme klingt auf Band fremd für dich, weil dir deine eigenen Schwingungen dabei fehlen.

Die Wirkung der Stimme

Wir regieren bei einer Person genauso auf die Stimme wie auf das Aussehen. Oftmals unbewusst ziehen wir aus der Stimme einer Person Rückschlüsse auf die Persönlichkeit. Als angenehm empfinden wir zumeist tiefere, warm klingende Stimmen, während weinerliche, dünn oder schrill klingende Stimmen von uns negativ bewertet werden. Aus diesem Grund schockt es dich, wenn du deine Stimme auf einer Tonaufnahme hörst. Die eigene Stimme empfinden fast alle Menschen darauf als zu hoch, zu wackelig, zu langsam, zu leise, zu laut oder zu nasal. Es schockt dich, dass andere Menschen dich so wahrnehmen. Deine Stimme wird plötzlich für dich zum Makel.

Wenn du zu den Menschen gehörst, die mit ihrer Stimme unzufrieden sind, gibt es eine beruhigende Nachricht für dich: Wie jedes andere Instrument kannst du sie trainieren und damit ihren Klang verändern. Mit Geduld, Beharrlichkeit und viel Übung (ohne wird es nicht klappen) wird es dir gelingen, deine Sprechstimme klangvoller werden zu lassen.

Es gibt keine schlechten, sondern untrainierte Stimmen

In deiner Stimme spiegelt sich deine seelische Verfassung wieder. Du hast sicher schon Situationen erlebt, in denen dir vor Aufregung die Stimme versagt hat. Oder du warst so angespannt, dass du etwas, das du sagen wolltest, rausgepresst hast. Wie aus deinem Gesicht, lassen sich auch aus deiner Stimme deine Emotionen heraus lesen. Das ist wichtig zu wissen. Manchmal musst du es akzeptieren, denn du bis kein Roboter, sondern ein Mensch. In vielen Situationen helfen Atem- und Stimmübungen, um den Klang deiner Stimme unter Kontrolle zu bekommen. Wenn du deine Stimme verändern möchtest, solltest jedoch aufhören, sie zu hassen. Ungeduld und Negativität stehen dir bei deinem Ziel nur im Weg.

Stimmtraining in mehreren Schritten

Verabschiede dich von dem Gedanken eine schlechte Stimme zu haben und beginne stattdessen, deine Stimme als ein Instrument zu betrachten, dass du erlernen kannst. Wie bei einem Musikinstrument bedarf das der Übung und funktioniert nicht von heute auf morgen. Deshalb freunde dich zunächst mit der Stimme an, die die Anderen hören. Wenn du ihr neutral gegenüber stehst, kannst du besser an ihr arbeiten. Das gilt gleichermaßen für deine Sprech- wie für deine Singstimme.

1. Höre dir deine aufgenommene Stimme an und analysiere sie

Spreche den gleichen Satz dreimal in dein Aufnahmegerät und höre dir den Klang an. Finde heraus, was dir an ihrem Klang besonders missfällt.

  • Klingt sie zu flach, zu hoch, zu gepresst, zu ausdruckslos, zu unbetont etc.?
  • Machst du zu viele Pausen oder atmest du beim Sprechen zu schnell oder falsch?

2. Achte auf deine Körperhaltung und deine seelische Verfassung

Wie die Augen ist die Stimme ein Spiegel deiner Seele, aus dem sich dein Gemütszustand erkennen lässt.

  • Bringe dich, bevor du mit dem Stimmtraining beginnst, in eine entspannt positive Stimmung.
  • Achte auf deine Körperhaltung, denn eine aufrechte Haltung erzeugt ein größeres Stimmvolumen.
  • Konzentriere dich auf eine gleichmäßige Atmung. Fürs Reden wie fürs Singen ist es sinnvoll, die Bauchatmung zu trainieren. Das funktioniert am einfachsten so:
    Drücke deine Bauchmuskeln raus und rein, ohne dabei den Oberkörper zu bewegen. Versuche nun, das mit deiner Atmung zu verbinden. Deine Bauchmuskeln gehen beim Einatmen nach vorn und ziehen sich beim Ausatmen wieder zurück, während der Brustkorb dabei ganz ruhig bleibt.

3. Voller Klang und deutliche Aussprache

Die folgenden Übungen sind hilfreich, wenn deine Stimme hastig, undeutlich oder verkrampft klingt. Die einzelnen Trainings-Einheiten sind nicht kompliziert. Um erfolgreich zu sein, musst du sie jedoch regelmäßig üben.

  • Wenn du ungefähr 120 Wörter pro Minute sprichst, hast du ein normales Redetempo. Um herauszufinden, ob du zu schnell sprichst, stoppe die Zeit und lese dir laut genau diese Anzahl Wörter vor. Beim lauten Vorlesen kannst du gleichzeitig deine Aussprache kontrollieren. Verschluckst du Endungen? Betonst du richtig?
  • Die Sirenen-Übung dient dazu, der Stimme Klangfülle zu verleihen. Um in den Bauch zu atmen, setzte dich aufrecht, aber entspannt hin. So kann das Zwerchfell die Stimme unterstützen. Klopfe leicht auf den Brustkorb und singe beim Ausatmen immer wieder „oooöööooo“ für ungefähr 3 Minuten.
  • Wie ein Sportler seine Muskeln aufwärmt, kannst du vor dem Sprechen deine Stimme warm machen. Singe und spreche mit dir selbst, bevor du in ein bedeutungsvolles Gespräch gehst. Wenn du zwischendurch öfter mit geschlossenen Lippen gähnst, bekommt durch die Dehnung des Hals- und Rachenraums deine Stimme mehr Kraft.

Auch eine gute Singstimme lässt sich erlernen

Frau singt auf der Straße
Photo by Maaria Lohiya on Unsplash
Jetzt weißt du, wie du deiner Sprechstimme mehr Klang verleihen kannst. Wie sieht es mit deiner Singstimme aus? Bist du wie viele Menschen der Ansicht, mit einer schönen Gesangstimme müsste man gesegnet sein? Stimmt nicht. Auch deine Stimme ist ein Instrument, das du erlernen kannst. Du erwartest ja auch nicht, ein anderes Musikinstrument perfekt zu spielen, wenn du dich zum ersten Mal damit befasst. Singen ist die Fähigkeit, dein persönlichstes Instrument, deine Stimmbänder, beherrschen zu lernen. Doch das bedarf wie bei allen anderen Instrumenten der Übung und der Pflege. Damit deine Kehle gleitfähig bleibt, trinke deshalb immer wieder in kleinen Schlucken, Wasser in Zimmertemperatur. Vermeide Milch oder Säfte, denn sie verschleimen eher die Kehle.

Gute und falsche Gesangstechnik

Wenn du glaubst, nicht singen zu können, hast du mit großer Wahrscheinlichkeit ein Problem mit Deiner Gesangstechnik. Damit bist du nicht allein. Bei Karaoke– oder Gesangswettbewerben kämpfen manche Sänger regelrecht mit ihrem Lied. Bei schwierigen Noten siehst du ihnen ihre Verspannung an, besonders im Schulter- und Brustbereich. Das mag mitunter lustig aussehen, ist aber ein Verstoß gegen das Grundprinzip des Singens. Singen sollte leicht fallen und kein Kampf mit den Tönen sein. Wenn du das eine Weile beobachtest, erkennst du die Fehler, die untrainierte Sänger machen. Ein guter Anfang!

Methoden zum Stimmtraining

1. Entspannung

Entspannung bedeutet nicht, Anstrengung zu vermeiden. Auch ein Sportler strengt sich an, weiß aber um die Verletzungsgefahr, wenn er sich nicht vorher warm macht oder sich überanstrengt. Mit dem Singen verhält es sich ähnlich. Anspannung im Bauch- und Zwerchfellbereich ist normal und gehört zum Training. Wenn du aber das Gefühl hast, dein Hals schnürt dir beim Singen zu oder die Stimmbänder verspannen sich, musst du sofort aufhören. Sonst bekommst du schnell Halsschmerzen durch zu vieles singen. Bevor du zu singen anfängst, kontrolliere deine Bauchatmung und achte darauf, entspannt dazustehen, ohne die Schultern hochzuziehen.

2. Die „wahre“ Stimme finden

Wie beim Sprechen, hörst du auch beim Singen nicht die Stimme, die andere Menschen hören.

Sing etwas auf Band oder halte dir ein Stück Pappkarton vor den Ohren neben das Gesicht, was den Schall ein wenig schluckt. Wie deine Sprechstimme klingt deine Singstimme vermutlich etwas höher, als du sie wahrnimmst. Finde heraus, in welcher Tonhöhe dir das Singen am leichtesten fällt. Die Tonleiter-Übung hilft dir dabei. Beginne Dur-Tonleitern beim mittleren C und bewege dich dann einen halben Schritt nach oben und nach unten. In welcher Tonleiter singst du klar und wann fällt es dir schwer, die Töne noch zu treffen? Auf diese Art findest du außerdem deinen Stimmumfang heraus. Für eine gute Artikulation hilft neben der Bauchatmung auch das Öffnen der Kehle. Versuche den Kopf gerade zu halten, um einen volleren Klang zu erzielen.

3. Das regelmäßige Üben

Bevor du ein Lied probst, wärme deine Stimme zuerst für mehrere Minuten mit der Tonleiterübung auf. So verhinderst du, deine Stimmbänder zu überanstrengen. Dazu gehört ebenfalls, mit Songs zu beginnen, die zu deiner Stimmlage passen und dir nicht zu schwer fallen. Das hat den Nebeneffekt, dass du schneller zu einem Erfolgserlebnis kommst. Übe regelmäßig, aber überfordere deine Stimme nicht. Achte darauf, ob Körper- und Gesichtsmuskeln entspannt sind. Bist du nicht sicher, übe vor einem Spiegel. Nimm deinen Gesang auf Band auf, damit du deine Fortschritte überprüfen kannst. Erwarte nicht, alles sofort zu können. Fange mit leichten Gesangstücken an und steigere den Schwierigkeitsgrad erst, wenn du dich gut damit fühlst.

4. Trau dich vor anderen zu singen

Mit einem positiven Gefühl singt es sich besser! Probiere das aus, indem du Freunden oder deiner Familie die Lieder vorsingst, die du schon gelernt hast. Beachte: In einem hohen Raum ohne Teppichboden klingt deine Stimme voller als unter einer niedrigen Zimmerdecke. Wenn du dich etwas sicherer fühlst, geh in Karaoke Bars. Das ist eine tolle Gelegenheit, um deine Scheu vor Publikum abzulegen und die anderen dort singen auch nicht perfekt. Perfektion erwartet niemand von dir. Wenn du aber mit Leidenschaft und Gefühl singst, reißt sie dein Publikum mit.

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5. Finde heraus, was deine Stimme besonders macht

Nachdem du deine Tonhöhe und den Tonumfang kennst, in dem dir Singen leicht fällt, kannst du damit experimentieren, welcher Stil am besten zu dir passt. Klingt deine Stimme etwas heiser oder leicht nasal? Triffst du die hohen Töne oder hast du den Swing in der Stimme? Für jede Stimmart gibt es den passenden Musikstil: Rock, Country, Hip Hop, Jazz oder sogar Oper?

Spaß am Singen

Wenn du jetzt Freude am Singen gefunden hast, warum hältst du nach Gleichgesinnten Ausschau? Gemeinsam macht es doch mehr Spaß. Du könntest mehrstimmig singen oder in einen Chor eintreten? Wenn du schnellere und größere Fortschritte machen möchtest, nimm Gesangsunterricht. Ohne professionelle Hilfe kommst du eher an deine Grenzen. Außerdem vermeidest du, dass sich unbemerkt Fehler beim Üben einschleichen. Suche deshalb immer nach Feedback.

Fazit

Deine Stimme ist ein Teil von dir, den du nicht hassen solltest. Mach dich mit ihr vertraut und akzeptiere sie für den Anfang. Du weißt jetzt, wie du sie durch Stimmtraining, sowohl in deiner Art zu reden als im Klang deiner Sprechstimme verbessern kannst. Auch eine kraftvollere Singstimme ist für dich mit etwas Durchhaltevermögen und den richtigen Übungen keine Utopie. Doch erwarte weder schnelle Erfolge noch nur begeisterte Fans unter deinen Zuhörern. Kritik kann dir, falls sie berechtigt ist, weiterhelfen. Greife sinnvolle Anregungen auf und suche Unterstützung, falls du nicht allein weiter kommst. Stell dir vor, dein Training wäre eine Art Physiotherapie für die Stimme. Jeder Erfolg braucht seine Zeit und einiges an Ausdauer und Durchhaltevermögen.

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