Grillz: Warum tragen Rapper Zahnschmuck?

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Berühmte Sänger und Sängerinnen wie Madonna, Rihanna, Justin Bieber, Miley Cyrus und Beyoncé tragen sie. Rapper wie Lil‘ Wayne, Lil Pump, Chris Brown oder Nelly tragen Grillz sowieso. Doch was genau sind eigentlich Grillz, was bewegt immer mehr berühmte Persönlichkeiten dazu, den goldverzierten Zahnschmuck zu tragen und wer hat eigentlich damit angefangen? Im nachfolgenden Bericht geben wir euch eine Übersicht.

Was sind Grillz?

Die blinkenden Beißerchen bestehen zumeist aus Platin, Silber und Gold und sind je nach Dekadenz-Grad des Trägers zusätzlich mit wertvollen Edelsteinen oder Inschriften verziert. Es handelt sich nicht um klassische Goldzähne, wie man sie aus der Zahnmedizin kennt, sondern um ein Schmuckstück, welches über den Zähnen getragen wird. Die Grillz lassen sich also nach belieben auf die Zähne auf- und wieder absetzen. Die Preise der edlen Kauleisten variieren aufgrund ihrer teuren Bestandteile natürlich und sind nach oben hin praktisch unbegrenzt.

Warum Musiker und Rapper Grillz tragen

Die Frage ist nun, was die Berühmtheiten unserer Zeit dazu bewegt, ein derart auffälliges Accessoire zu tragen. Viele Vermuten, dass die Antwort auf diese Frage ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit ist. Andererseits kann es auch eine Zurschaustellung des eigenen Wohlstandes sein. Immerhin können besonders ausgefallene Exemplare gut und gerne 100.000 $ kosten – wenn nicht mehr. Gerade bei vielen Rappern, die aus einem schwierigen sozialen Milieu stammen, könnten die, für alle gut sichtbaren, Grillz ein Ausdruck dessen sein, es geschafft zu haben. Allen Widrigkeiten zum Trotz, hat man es geschafft, reich und berühmt zu werden. Die Goldzähne wären also die Verkörperung der Erfüllung des amerikanischen Traums. Hinzukommt, dass das „flexen“, also das prahlen mit dem eigenen Reichtum, in der Szene mehr oder weniger zum guten Ton gehört.

Doch längst ist es nicht mehr nur den Gangster-Rappern vorbehalten, ihre Zähne auf diese Art und Weise zu schmücken. Auch Popstars, wie Justin Bieber und Miley Cyrus folgen dem Trend. Sogar der US-amerikanische Schwimmer Ryan Lochte, der auf den ersten Blick so gar nicht in die extravagante Riege der Grillz-Träger passen will, reiht sich ebenso ein. Es scheint sich also ein illustrer Kreis herauszukristallisieren, dem nur derjenige angehören kann, der Geld im Übermaß besitzt. Die bewusste Provokation, der für manche anstößigen Zahnverschönerer, könnte ebenfalls ein Faktor sein, der die ein oder andere Berühmtheit dazu bewegt sich Grillz zuzulegen.

Die Geschichte der Grillz und dem Zahnschmuck im Allgemeinen

Ursprünglich wurde der Zahnschmuck in der Form, in der wir ihn heute kennen, exklusiv von Rapper getragen. Diese Entwicklung startete in den frühen 1980er Jahren, als Urvater gilt der New Yorker Eddie Plein, mit seinen berühmten „Eddie’s Gold Teeth“. Wer der Neigung der Menschen, ihre Zähne mit Gold zu verzieren, jedoch genauer auf den Grund gehen möchte, stößt oft auf die Behauptung, dass die alten Ägypter bereits vor über 2000 Jahren damit begonnen hätten. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Irrglauben, der auf dem Fund zweier Archäologen aus dem frühen 20. Jahrhunderts beruht. Die beiden gefundenen, mit Gold verbundenen Zähne, wurden, entgegen erster Annahmen, erst nach dem Tod der betreffenden Person bearbeitet und nicht etwa zu dessen Lebzeiten. Die ersten vermeintlichen Grillz, waren also eher eine Halskette.

Von Etruskern und Maya

Dass die Geschichte der blinkenden Zähne trotzdem viel älter ist, als wahrscheinlich viele gedacht haben, beweist uns das Volk der Etrusker. Diese bewohnten im Zeitraum von 800 v.Chr. bis 200 v.Chr. das heutige nördliche Mittelitalien. So trugen reiche etruskische Frauen ein mit Gold verwobenes Band, an dem Ersatzzähne angebracht waren, über ihrem Gebiss, um ihren sozialen Status hervorzuheben. Dafür ließen sich die Damen sogar gesunde Zähne ziehen. Nachdem die Römer das Gebiet der Etrusker eroberten, kamen die antiken Grillz um das Jahr 100 n.Chr. allmählich aus der Mode.

Das Volk der Maya hatte nicht nur eine Vorliebe für Weltuntergangsprognosen, sondern auch für geschmückte Zähne. Die Königinnen und Könige, die zwischen den Jahren 300 n.Chr. und 900 n.Chr. das antike Reich regierten, ließen etwa 3 Millimeter tiefe Löcher in ihre Zähne bohren, um die dann entstandenen Stellen mit Jadesteinen zu füllen. Somit verschönerten sie nicht nur ihr Äußeres, sondern setzten gleichzeitig ein soziokulturelles Statement, um sich von unteren Schichten abzugrenzen. Wie auch schon bei dem Volk der Etrusker, war es die Eroberung durch ein anderes Volk, in diesem Falle dem der Spanier, das dem Trend im 16. Jahrhundert ein Ende setzte. Nachfahren der Maya, die heute in Mexiko, Honduras, Guatemala, Nicaragua oder El Salvador leben, besinnen sich auf ihre Wurzeln und tragen wieder vermehrt Zahnschmuck. Mittlerweile wurde die Jade jedoch durch Gold ersetzt.

Wikinger, Filipinos und die Sowjetunion

Es scheint wohl schon lange in der Natur des Menschen zu liegen, sein Äußeres zu modifizieren und zu verschönern. Und dazu gehören nun einmal auch die Zähne. Davon ausgenommen waren ebenfalls nicht die Wikinger, bei denen das Privileg, Gold an den Zähnen zu tragen, allerdings nur den Männern vorbehalten war. Auch die alten Filipinos pflegten diesen Brauch, und wollten durch das kostbare Material in ihrem Mund eine Verbindung zu diversen Gottheiten aufbauen. Wieder einmal waren es die Spanier, die den Brauch im 17. Jahrhundert beendeten.

Dass die Verwendung von Gold im Mundraum auch ganz praktische Gründe haben kann, sehen wir am Beispiel Tadschikistans, dass der ehemaligen Sowjetunion angehörte. Die Bewohner des Landes in Zentralasien unterlagen einem Ausreiseverbot und in Ermangelung anderer Rohstoffe, war Gold schlichtweg das günstigste Material, um Zähne zu reparieren. Nach dem Fall der Sowjetunion und der damit einhergehenden Erlaubnis, auch andere Länder zu bereisen, zogen es die Menschen vor auf Prothesen zurückzugreifen, die mehr dem Aussehen natürlicher Zähne entsprachen. So stachen sie mit ihren funkelnden Mündern nicht mehr so stark aus der Masse heraus.

Die Grillz erreichen Amerika

Im Gegensatz zur rückläufigen Entwicklung im Ostblock, kamen die Goldbeißer ab den 1970er Jahren langsam in Amerika in Mode. Was einst als einfache Zahnprothese fungierte, wurde immer mehr ein Zeichen des eigenen finanziellen und sozialen Status. Vor allem die Hip-Hop-Szene fand Gefallen an den Grills, allen voran Eddie Pleins, der seines Zeichens auch die ersten Exemplare für Flavor Flave anfertigte. Später versorgte er noch bekannte Größen wie Big Daddy Kane, Kool G Rap, Big Boi und Andre 3000 von Outkast, Ludacris und Lil Jon mit dem Schmuck. Im Jahre 2005 setzte Nelly den Grillz mit seinem gleichnamigen Song ein musikalisches Denkmal.

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