Die zehn erfolgreichsten Sänger der 60er Jahre

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Die 60er Jahre waren eine spannende Zeit des Auf- und Umbruchs, besonders für die Jugendlichen. Sie wollten die Fehler ihrer Eltern nicht wiederholen, sondern distanzierten sich von dem Mief der spießigen 50er Jahre, der noch in den elterlichen Wohnzimmern herrschte. Die Jugend war auf der Suche nach einem alternativen Lebenskonzept. Der Bau der Berliner Mauer, die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung und der Vietnam-Krieg brachte sie auf die Barrikaden. Diese Auflehnung gegen Tabus machte auch vor den Schlafzimmern nicht halt. Als die Antibaby-Pille zu Anfang des Jahrzehnts auf den Markt kam, erleichterte sie es den Jugendlichen ihre Sexualität zu entdecken und auszuleben.

Der Protest zeigte sich nicht nur äußerlich, sondern auch im Musikgeschmack. Singer-Songwriter – damals Folk-Singer genannt – wie Bob Dylan, Joan Baez oder Leonhard Cohen rüttelten ihr Publikum mit politischen Inhalten in ihren Texten auf. Und auch der Kampf gegen den Rassismus in den USA sowie die musikalischen Einflüsse von schwarzen Künstlern wie Otis Redding, Marvin Gaye oder Ray Charles wirkten entscheidend auf die Rock- und Pop-Musik dieses Jahrzehnts ein. Viele Sänger prägten diese Epoche und die erfolgreichsten wollen wir hier vorstellen.

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01. Elvis Presley

(c) Ollie Atkins
(c) Ollie Atkins
Nicht nur was die Verkaufszahlen seiner Tonträger betrifft, steht Elvis Aaron Presley (geb. 1935), meist einfach nur Elvis genannt, in den 50ern, aber vor allem in den 60er Jahren ganz oben. Seine Stimme mit dem weichen Timbre umfasste fast drei Oktaven. Ein weißer Junge mit einer schwarzen Stimme versetzte damals in Erstaunen.

Erste Erfolge hatte er als 19-jähriger mit „That’s All Right (Mama)*„, einer Rockabilly Nummer. Seine Art sich auf der Bühne zu bewegen war neuartig. Sein Markenzeichen, der Hüftschwung, brachte ihm im prüden Amerika viel Ärger ein. Doch gepaart mit seinem guten Aussehen begeisterte sein Stil vor allem seine weiblichen Fans. Das bescheinigte seinen unaufhaltsamen Aufstieg zum König des Rock’n Roll. Auch die Filmindustrie wurde auf ihn aufmerksam und neben Plattenaufnahmen dreht er einen Film nach dem anderen. Seine Einberufung zur Armee setzte seiner Karriere ein vorläufiges Ende.

1960 gelang ihm nach Ende seiner Dienstzeit ein Neuanfang. Seine Stimme war gereift und seine musikalische Bandbreite umfasste Rock, Pop, Country, Gospel und Blues. In dieser Zeit entstand der Song „It’s Now or Never*„, der mit 28 Millionen verkauften Schallplatten der erfolgreichste Hit seiner Karriere werden sollte. Bis Ende der 60er Jahre legt der King eine Konzertpause ein, drehte aber weitere Musik-Filme und nahm weitere Platten auf. Seine größten Hits dieser Zeit wurden „In the Ghetto*“ und „Suspicious Minds*„.

Nach seiner Blütezeit ging es mit Elvis privat und körperlich bergab. 1977 starb der erfolgreichste Sänger des vergangenen Jahrhunderts überraschend mit nur 42 Jahren an Herzversagen.

02. Bob Dylan

Chris Hakkens, Bob Dylan June 23 1978, CC BY-SA 2.0
Chris Hakkens, Bob Dylan June 23 1978, CC BY-SA 2.0
Der 1941 als Robert Allen Zimmerman geborene Bob Dylan wirkte wie kaum ein anderer Musiker seiner Zeit auf die Pop-Musik der 60er Jahre ein. In seinen Songs hört man den Einfluss von Folk über Country bis zu Gospel, Blues und Rock’n Roll.

Buddy Holly und Little Richard weckten früh das Interesse des Sängers. Er lernte Klavier und Gitarre zu spielen und gab 1961 erste professionelle Konzerte. Danach verpasste er sich seinen Künstlernamen und unterzeichnete einen ersten Plattenvertrag für das Album „Freewheelin’*„.

1963 trat er mit der damals schon sehr bekannten Joan Baez auf. Der Kalte Krieg und der Bürgerrechtsbewegung ließen ihn durch seine politisch-anspruchsvollen Texte zu einem Idol der Prostestierenden werden. Eines seiner beliebtesten Lieder „Blowin‘ in the Wind*“ wurde ihre Hymne. Seine Auftritte mit E-Gitarre und Begleitband Mitte der 60er waren dagegen nicht jedermanns Geschmack. Nach einem Motorradunfall zog sich der bei vielen Fans immer noch beliebte Sänger für zwei Jahre zurück. Nach seiner Rückkehr vollzog er auf seinen nächsten drei Alben den Wandel von Folk- zum Rocksänger.

Die Zeitschrift „Rolling Stone“ kürte ihn als bester Songwriter für sein Gesamtwerk und erklärte „Like a Rolling Stone“ zum besten Song aller Zeiten.

03. Otis Redding

(c) WME
Zweifellos einer der herausragenden Soulsänger der 60er Jahre war der 1941 geborene Otis Redding. Als Sohn eines Baptistenpredigers sang er schon früh im Gospelchor der Kirche seines Vaters.
Seine Karriere begann in Little Richards Band „Upsetters“. Doch erste Aufmerksamkeit erlangte er mit seiner ersten Solo-Single „These Arms of Mine*„. Es folgte 1965 mit „Mr. Pitiful*“ eine erste Platzierung in den Top 10 der R&B-/Soul-Charts.

Leider starb der talentierte Sänger schon 1967 mit nur 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz, als er auf dem Weg zu einem Fernsehauftritt war. Das nur Tage zuvor aufgenommene „Sittin‘ on the Dock of the Bay*“ gilt als der beste Song seines Lebens. Nach seinem Tod wurde es zur Nr. 1, wofür Otis Redding aufgrund der Verkaufszahlen nur wenige Monate später eine Goldene Schallplatte bekam.

04. Marvin Gaye

Florence Lefranc, Marvin Gaye, CC BY-SA 3.0
Ebenfalls der Sohn eines Priesters war Marvin Gaye (geb. 1939). In der Band von Smokey Robinson erlebte er als Schlagzeuger seine ersten größeren Auftritte vor Publikum. Nach dem Militärdienst bei der Luftwaffe, zog es ihn wieder zurück zur Musik. Als Mitglied verschiedener Doo-Wop-Gruppen (deren Markenzeichen mehrstimmige Gesangsarrangements waren) veröffentlichte er seine ersten Singles. Seine Solokarriere nahm indessen erst Fahrt auf, als er einen Vertrag bei Motown Records unterschrieb. 1964 schaffte er es mit „Together*“ in die Charts. Doch sein erfolgreichster Hit der 60er wurde „I Heart it Through the Grapevine“, der von Eifersucht, betrogener Liebe und Verlustangst handelt. Der Sänger wusste, worüber er sang. Die Tiefen in seinem Leben hatten ihn, schon zu Zeiten von Motown, von Kokain abhängig werden lassen.

In Belgien versuchte der Sänger von seiner Sucht loszukommen. Dort hielt es ihn jedoch nicht lange und er kehrte zu seinen Eltern zurück, in das Haus, das er ihnen geschenkt hatte. Die ersehnte Ruhe fand er hier nicht. Sein alkoholkranker Vater griff im Streit zur Waffe und erschoss den beliebten Sänger nur einen Tag vor seinem 45. Geburtstag. Auch Marvin Gaye blieb es verwehrt, seinen späteren Ruhm mit Werken wie „Sexual Healing*“ und der Aufnahme in die „Rock’n Roll Hall of Fame“ zu erleben.

05. Sam Cooke

1931 wurde der beliebte Sänger Sam Cooke geboren, der viele andere Musiker durch seinen Soul inspirierte. Er veröffentlichte bereits in den 50ern erste Platten, startete aber in den 60er Jahren richtig durch, als er bei verschiedenen Labeln unter Vertrag, selbst „SAR Records“ gründete. Dort produzierte er auch andere Musikgruppen. Seine erste Single „Chain Gang*“ wurde seine bekannteste, doch seine kommerziell erfolgreichste war „You Send Me*„. Dank des Einsatzes in der Werbung bleibt der beliebteste Song von ihm aber der Evergreen „Wonderful World*„.

Sein Leben endete ebenfalls tragisch. In angeblicher Notwehr wurde er 1964 von der Managerin eines Motels erschossen. Späte Ehrungen wie den Grammy für sein Lebenswerk und auch die Aufnahme in die „Rock’n Roll Hall of Fame“ konnte er nicht mehr entgegen nehmen.

06. Johnny Cash

(c) Universal Music 2010
(c) Universal Music 2010
Nicht nur wegen seiner markanten tiefen Stimme, gilt Johnny Cash (1932-2003) als der beste Country-Sänger des vergangenen Jahrhunderts. Seine musikalische Bandbreite umfasste zusätzlich Rockybilly, Gospel, Blues und Folk. Mit seiner späteren Ehefrau June Carter schrieb er viele Songs, die zu großen Hits wurden.

Seinen ersten großen Auftritt hatte Cash Mitte der 50er als Vorprogramm für Elvis Presley. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er in den 60er Jahren: „Ring of Fire*“ wurde ein Riesenhit. In dem Song thematisiert er erstmals seine Suchtprobleme mit Tabletten und Alkohol. Danach wandte sich der Sänger auch politischen Themen wie dem ungerechten Umgang mit den indianischen Ureinwohnern zu. Bekannt ist der Sänger für seinen legendären Auftritt 1968 im kalifornischen Folsom Gefängnis, wo auch ein Konzertalbum mitgeschnitten wurde, das Platz 1 der Country-Charts belegte. Dieser Erfolg wurde von dem in San Quentin aufgenommenen Konzert noch übertroffen.

Wie Elvis Presley spielte Johnny Cash auch in einigen Filmen mit. Zum erfolgreichen Sänger machten ihn aber seine über 500 Songs, 50 Millionen verkauften Tonträger und 13 Grammy Awards.

07. Ray Charles

Victor Diaz Lamich, Ray Charles FIJM 2003, CC BY 3.0
Noch mehr Schallplatten verkaufte Raymond Charles Robinson (1930-2003), der seinen Namen auf das griffigere Ray Charles verkürzte. Der als Kind erblindete Sänger fühlte sich in verschiedenen Musikstilen wie im Rhythm’n Blues, im Soul als auch im Blues sich zuhause. In Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern nahm er zu Beginn seiner Karriere zwei Swingtime-Titel auf.
Ein Millionenhit wurde sein 1960 veröffentlichter Song „Georgia on my Mind*„, ein Jahr später gefolgt von „Hit the Road, Jack*„. Das beliebteste Lied wurde jedoch das 1962 erschienene „I Can’t Stop Loving You*„. Nach weiteren Hits machte sich Ray Charles auch als Produzent einen Namen. Er gilt als der finanziell erfolgreichste schwarze Musiker seiner Zeit.

Zu erwähnen sind noch seine zahlreichen Gastauftritte in Film und Fernsehen sowie unzählige Preise, darunter 9 Grammys.

08. Leonard Cohen

(c) Dominique Issermann / Sony Music
Bevor Leonard Cohen (1934-2016) 1967 sein erstes Album herausbrachte, hatte er schon Anerkennung als Autor eines Romans erfahren. Mit rauchiger Stimme, die einmal als die eines alten Blues-Sängers beschrieben wurde, nahm er melodische Folksongs auf und veröffentlichte sie. Zu seinen beliebtesten Stücken gehört ohne Zweifel „Susanne*„, das er zuerst covern ließ, bevor es es selbst einspielte. Nach seinem Debüt als Sänger verglich man ihn mit Bob Dylan. Zu seiner raschen Bekanntheit trugen auch seine Affären mit Kolleginnen wie Janis Joplin oder Joni Mitchell bei. Nicht nur, weil er als Multitalent immer zweigleisig fuhr und neben seinen 14 Studioalben und einigen Live-Alben weiter Romane und Gedichtsbände schrieb, hatte Cohen zeitlebens den Ruf eines Intellektuellen.

Sein am häufigsten von anderen Sängern interpretiertes Lied bleibt wahrscheinlich „Hallelujah*„, das erst 1984 veröffentlicht wurde und von ihm als sein bester Song bezeichnet wurde.

09. James Brown

Heinrich Klaffs, James Brown Live Hamburg 1973 1702730029, CC BY-SA 2.0
Obwohl er mehrere Instrumente beherrschte, verstand sich James Brown (1933-2006) in erster Linie als Sänger. In frühen Jahren seiner Karriere war er ebenso für seinen dynamischen Tanzstil auf der Bühne bekannt. Seine leidenschaftliche und extrem rhythmische Art zu singen, brachte ihm 1963 mit dem Album „Live at the Apollo*“ den Durchbruch. Dem folgte nur wenige Jahre später ein nicht minder erfolgreiches Live-Album ebenfalls aus dem New Yorker Apollo. Zu seinen großen Hits zählen „I feel Good*„, „Night Train*“ und vor allem „It’s a Man’s World*„.

Nicht nur das machte ihn zu einem der erfolgreichsten Musiker der 60er Jahre. Auch als Bandleader und Produzent hatte er maßgeblichen Einfluss an der Entstehung des Funk als Mischung aus Rhythm ’n Blues und Soul. Dadurch bekam er große Bedeutung für spätere Pop-Giganten wie Michael Jackson und Prince.

Seine Prominenz nutzte der Sänger schon früh, um sich für die Rechte Schwarzer einzusetzen. Er erhielt zahlreiche Musikpreise, darunter mehrere Grammys und wurde in die „Rock’n Roll Hall of Fame“ aufgenommen.

10. Stevie Wonder

(c) Universal Music
(c) Universal Music
Schon früh wurde aus Stevland Hardaway Judkins Morris (geb. 1950) Stevie Wonder. Bereits mit 11 Jahren wurde der musikalische Junge entdeckt und mit 12 unterschrieb er seinen ersten Vertrag bei Motown Records. 1963 hatte er frühe Erfolge mit dem Song „Fingertips, Part 2*„, einer Live-Aufnahme, bei der Marvin Gaye am Schlagzeug saß. Nach dem Stimmbruch widmete er sich vermehrt seinem Klavierstudium, was sich auf den Platten „For Once in My Life*“ (1968) und „My Cherie Amour*“ (1969) an Kompositionen und Arrangements zeigte, die von ihm stammten.

1970 gründete er sein eigenes Label Black Bull Music. Zwei seiner größten Hits „You Are The Sunshine Of My Life*“ und „Superticious“ entstanden in den frühen 70er Jahren. Er entwickelte einen eigenen Stil, der den Soul bis heute nachhaltig beeinflusst.

Wie Ray Charles erblindete Stevie Wonder in früher Kindheit. Später erklärte er, aus diesem Grund seine anderen Sinne und insbesondere sein Gehör so gut ausgebildet zu haben.

In der Bürgerrechtsbewegung aktiv, widmete er den Oscar für seinen Song „I Just Called To Say I Love You*“ 1984 dem damals noch inhaftierten Nelson Mandela.

Bis heute ist er aktiv, tritt jedoch vorwiegend bei besonderen Anlässen auf. Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in die Rock’n Roll Hall of Fame aufgenommen, ist er seit mehreren Jahren als UN-Botschafter des Friedens unterwegs.

Wie keine andere machte die Musik der 60er Jahre mit ihrer Offenheit gegenüber politischen und gesellschaftlichen Einflüssen die Weiterentwicklung vieler aus ihr entstandenener Stile von Funk über Punk bis zum Rap möglich. Die erfolgreichsten Sänger dieser Zeit hört man sich deshalb heute noch mit der gleichen Begeisterung an wie früher.

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