Schreiben Sänger ihre Songs selbst?

Notizbuch mit Bleistift
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Die größten Stars in der Musikbranche verdanken in erster Linie genialen Songschreibern ihren Erfolg. Talente sind nun einmal unterschiedlich verteilt. Nicht jeder kann alles gleich gut. Das ist kein Geheimnis. Manche Menschen begeistern mit unvergleichlichen Gesangsqualitäten, andere sind großartig darin, aus den ein paar schrägen Ideen einen griffigen Text zu verfassen. Also macht jeder das, was er kann, und es ist gut so. Glaubst du? Nicht so in der Musikbranche, in der es neben der Musik bei allen Beteiligten vorrangig um viel Geld, Renommee und Ruhm geht. Einen Hitsong zu schreiben ist vergleichbar mit einem Lotto-Gewinn. Die Tantiemen für Text und Musik fließen über Jahrzehnte zum Urheber. Kein Wunder also, dass jeder ein Stück von dem Kuchen abbekommen möchte.

Neben dem Verdienst geht es den Künstlern vor allem um ihren guten Ruf in der Branche und beim Publikum. Aus diesem Grund fühlen sich ein Großteil der Sänger und Musiker dann erst als Künstler anerkannt, wenn ihr Name auch als Urheber ihrer Songs aufgeführt wird. Selbst von Pop Stars, die bei sehr jungem Publikum beliebt sind, wird erwartet, ihre eigenen Songs schreiben zu können.

Mittlerweile ist es deswegen zu einer gängigen Praxis geworden, eine Beteiligung an der kreativen Arbeit anzugeben, auch wenn es oft genug nicht der Wahrheit entspricht. Es ist ein offenes Geheimnis, das selbst bekannte Größen des Musik-Business kaum etwas zur Entstehung ihrer größten Hits beigetragen haben. Es geht noch weiter, manche Sänger sollen Songwritern sogar nur dann erlauben, für ihr nächstes Album zu schreiben, wenn ihr Name mindestens als Co-Autor der Songs darauf genannt wird. Angesichts dieses Verhaltens ist es nicht verwunderlich, wenn sich manch ein erfolgreicher Singer-Songwriter fragt, wie weniger begabte Kollegen so offensichtlich lügen können und ihren Namen unter etwas setzen, an dessen Entstehung sie nicht oder fast nicht beteiligt waren. Songwriter nennen sich heutzutage mehr Sänger als die, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Leider ist in der Musikindustrie diese Praxis nicht neu und lässt sich schon auf die Zeiten von Elvis Presley und Frank Sinatra zurückführen.

Sänger, die keine Songwriter sind

Elvis Presley

Elvis Presley
© Sony Music
Elvis hatte eine erotische Stimme und neben seinem guten Aussehen eine unübersehbare Bühnenpräsenz, die ihm Scharen von vor alle weiblichen Fans bescherte. Seine Songs selbst schreiben konnte er nicht. Seinem geschäftstüchtigen Manager Colonel Tom Parker wird nachgesagt, er habe die Autoren seiner berühmten Songs wie „Love me Tender“ oder „Jailhouse Rock“ genötigt, auf einen Teil der ihnen zustehenden Lizenzgebühren zu Elvis (und seinen) Gunsten zu verzichten. Es war schließlich Ehre genug für den „King of Rock’n Roll“ zu schreiben.

Frank Sinatra


Er war die Stimme des Swing-Jazz seiner Zeit und kaum jemand wird anzweifeln, dass diese Stimme besonders einprägsam war. Tatsache ist auch, keiner seiner Hits stammte aus eigener Feder. Der bekannte Sänger Paul Anka schrieb das weltberühmte „My Way“ für Sinatra und von Bart Howard stammt das schmissige „Fly me to the Moon“. Sie schufen damit Evergreens, die danach noch unzählige Male gecovert wurden.

Elton John

Elton John 2019
(c) Denis Makarenko / Bigstock.com
Auch ihm wurde unterstellt, vorgegeben zu haben, seine Songs stammen alle nur von ihm. Fairerweise sollte eingeräumt werden, in seinem Fall stimmt dieser Vorwurf nur bedingt. Als Pianist mit der Gabe zu komponieren gesegnet, war Elton John immer mehr als nur ein Sänger. Er war und ist der musikalische Kopf seiner Songs, von denen ein großer Teil in Zusammenarbeit mit dem Songtexter Bernie Taupin entstand. Einen Umstand, den er nie verheimlichte. Immerhin zählt das „Rolling Stone Magazine“ Elton John gemeinsam mit Bernie Taupin zu den 100 besten Songwritern aller Zeiten.

Whitney Houston

Whitney Houston
Asterio Tecson, Flickr Whitney Houston performing on GMA 2009 4, CC BY-SA 2.0
Sie besaß eine der unglaublichsten Stimmen der Pop- und Soulmusik. Die wurde mit Superlativen wie „legendär“ und „überlebensgroß“ beschrieben und brachte Whitney Houston 39 Chart-Platzierungen ein. Die Grammy-Preisträgerin versuchte sich zwar auch als Schauspielerin, wird aber nur zweimal überhaupt als Co-Autorin ihrer Songs erwähnt.

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Diana Ross


Die Leadsängerin des Vocal-Trios „The Supremes“ war weltberühmt, bevor sie eine ebenso beachtliche Karriere als Solokünstlerin im „R&B“-Bereich hinlegte. Dafür bekannt, ihre Songs selbst zu schreiben, war Diana Ross nicht. Das lag auch nicht in der Absicht des Labels „Motown“, deren Zugpferd sie zeitweise war. Im Gegenteil wurden die gleichen Stücke oftmals bewusst eingekauft, um von mehreren Interpreten aufgenommen zu werden.

Avril Lavigne

Avril Lavigne
(c) Sony Music
Auch bei Avril Lavigne wird immer wieder angezweifelt, welchen Anteil sie wirklich am Songwriting ihrer Lieder hat. Es geistert wiederholt die Vermutung (durchaus auch von Kollegen angeheizt) durch die Medien, dass der Anteil eher gering ist, den sie an der Entwicklung ihrer Songs hat. Sie bestreitet das, doch viele Gerüchte haben zumeist einen wahren Kern.

Dann gibt es noch Stars wie Rihanna, die nicht von Beginn an selbst geschrieben haben, aber zunehmend mehr zu ihren Songs beitragen. Es wurden viele Rechtstreits darüber geführt, wie groß der jeweilige Beitrag an einem Song ist. Letztlich steht Wort gegen Wort. Deshalb enden die meisten Streitigkeiten mit einem Vergleich. Sänger wie James Brown oder Lauryn Hill können davon ein Lied singen.

Sänger, die gute Singer-Songwriter sind

Pharrell Williams

Pharrell Williams
(c) Sony Music
Denkst du an Pharrell Williams, kommt dir sofort der Superhit „Happy“ in den Sinn. Doch Williams lässt sich nicht auf einen als Filmsong gestarteten Hit reduzieren, selbst wenn der für einen Oscar nominiert wurde. Ihn als echtes Multitalent zu bezeichnen ist in seinem Fall keine Übertreibung. Er singt, rappt, schreibt und produziert. Und das wird oftmals mit einer Auszeichnung belohnt, wie der Grammy Award 2014 für den besten Produzenten beweist. Ganz nebenbei schreibt Pharrell Williams auch noch Hits für Kollegen wie Beyoncé, Jay-Z, Kanye West, Snoop Dog, Madonna und viele mehr.

Adele

Adele
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Unbestritten verfügt Adele über eine Stimme, die unter die Haut geht. Die Bandbreite ihrer Songs umfasst neben Pop auch Soul, Jazz und R&B. Preise wie mehrere Grammys, ein Oscar und ein Golden Globe werden ihr geradezu hinterher geschmissen. Mit über 100 Millionen verkauften Tonträger gehört sie zu den Top-Sängerinnen des Musikgeschäfts. Was für eine grandiose Songwriterin sie ist, geht dabei fast unter. Immer wieder schreibt sie einfühlsam über gescheiterte Beziehungen und bleibt, selbst wenn sie mit einem Co-Autor arbeitet, immer treibende Kraft hinter ihren emotionalen Songs.

Ed Sheeran

Ed Sheeran
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Der Sänger wirkt zweifellos älter als er ist. Das mag daran liegen, dass er persönliche Themen in seinen Liedern sehr klar umreißt. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen geht es ihm nicht darum, gefallen zu wollen. Ihm ist wichtiger, sich selbst in seinen Songs treu zu bleiben. Ein Umstand, den seine Fans würdigen und der ihm einige Preise einbrachte. 2012 schrieb er gemeinsam mit Taylor Swift „Everything Has Changed“ und sang es mit ihr im Duett als Aufnahme ein.

Taylor Swift

Taylor Swift
(c) Starfrenzy / Bigstock.com
Es ist kein Geheimnis, dass ihre Texte oft von verflossenen Liebschaften handeln. Deshalb wird es dich nicht erstaunen zu erfahren, dass Taylor Swift alle ihre Songs selbst schreibt. Mit melancholischer Lyrik setzt sie auf diese Art ihren ehemaligen Freunden, zu denen illustere Namen wie Jake Gyllenhaal, Harry Styles und Joe Jonas zählen, ein privates Denkmal. Ein Erfolgsrezept, das sie zu einer der erfolgreichsten Frauen der Musikgeschichte macht.

Ne-Yo

Ne-Yo
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Speziell im R&B-Bereich schreiben wenig Sänger ihre Songs selbst. Entweder beschäftigt das Label angestellte Songschreiber oder kauft welche ein. Genau deshalb sticht Ne-Yo so heraus. Seit seiner Jugend schreibt er für sich und andere Sänger Lieder, u. a. so bekannte wie Marques Houstons „That Girl“. Sein Erfolg brachte ihm Aufmerksamkeit und führte dazu, dass sich so berühmte Kollegen wie Beyoncé, Rihanna und Jennifer Hudson für sein Talent zu interessieren begannen.

Sia

Sia
(c) Universal Music
Seit 2014 ist „Chandelier“ von Sia Furler in den Radiosendern ein Dauergast. Dabei wollte die Sängerin nie im Rampenlicht stehen. Denn mehr noch als als Sängerin hat sich die Australierin als Songwriterin einen Namen gemacht. Und das nicht erst seit kurzem, denn sie ist seit den 1990er Jahren gut im Geschäft. Popstars wie Madonna, Rita Ora, Rihanna, Shakira, Christina Aguilera und Britney Spears lieben einfach ihre Songs.

Das sind die erfolgreichsten Songwriter:

Vielleicht interessiert dich, wer einige der Leute sind, aus deren Feder die vielen tollen Hits und Ohrwürmer stammen, die du täglich im Radio hörst. Es sind die Songwriter, die die aktuellen Trends kennen und ein Gespür dafür entwickelt haben, welcher Song welchen Sänger groß heraus bringen oder seine Karriere festigen könnte. Viele der Songwriter haben beim Schreiben eines neuen Lieds bereits einen bestimmten Star in Sinn, zu dem es passen könnte. Doch selbst die Topstars und ihr Management greifen mal daneben und lehnen einen Song ab, mit dem ein anderer Sänger einen Hit landet. Einfach weil sie das Potential des Stücks nicht erkannt haben. So wurde beispielsweise Britney Spears Team „Telephone“ angeboten, mit dem statt Britney Lady Gaga groß heraus kam. Oder ein älteres Beispiel: Tina Turner hatte den Hit „What‘s Love Got To Do With It?“. Die Autoren Terry Britten und Graham Lyle boten ihn zuerst Donna Summer an. Die berichtete später, der Song habe jahrelang in ihrer Schublade gelegen, wurde aber nie aufgenommen.

Eine der erfolgreichsten Songwriterinnen ist momentan Chantal Kreviazuk. Falls dir der Name nichts sagt, stehst du damit nicht allein. Sie hat zwar auch ein eigenes Album herausgebracht, ist aber in erster Linie für viele Songs von Gwen Stefani, Kelly Clarkson oder Avril Lavigne verantwortlich. Oder Dianne Warren? Die Grammy-Gewinnerin schrieb schon für Mary S. Blidge, Celine Dion und Whitney Houston. Oder Sean Garrett, der große Hits für Beyoncé oder Fergie schrieb?

Die unfaire Verteilung der Tantiemen ist Garretts Meinung nach der Preis, den ein Neuling im Geschäft zu zahlen hat, wenn er weiterhin Aufträge erhalten will. Selbst Ne-Yo, der sich selbst einen Namen gemacht hat, beschwert sich über die Haltung machen Sänger. Sie seien der Meinung, dem Songschreiber einen Gefallen zu tun, wenn sie seinen Song aufnehmen, im Besonderen, wenn der dann ein Hit wird. Kein Songschreiber neidet den Stars ihren Erfolg. Ihnen geht es nur um einen fairen Umgang mit ihren Texten. Sie erkennen auch künstlerische Gesangsarrangements von brillanten Sängern wie Beyoncé an. Alle der genannten Songwriter sind inzwischen so etabliert, Forderungen an sie zurückweisen zu können. Newcomer in der harten Musikbranche haben dieses Möglichkeit nicht. Sich der gängigen Praxis zu widersetzen, wäre für sie das Aus noch vor Beginn ihrer Karriere. Wie kompliziert die Zuschreibung an den Autorenrechten oftmals auch sein mag, eines ist unbetritten: Songwriter sind die Motoren, die sie Musikindustrie am Laufen halten.

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